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toskana

Bibbiena

In der Provinz Arezzo liegt die Stadt Bibbiena, die etwa 12000 Einwohner zählt. Inmitten der malerischen Landschaft des Casentino Gebirges gelegen, hört man hier oft das antike Italienisch, welches von der älteren Generation noch beherrscht wird. Der größte Fluss Italiens, der Arno, entspringt in dem wenig bekannten Gebirge Casentino, da es aufgrund seiner schlechten Lage nur gezielt angefahren und nicht rein zufällig entdeckt werden kann. Daher hat sich gerade in dieser Region ein gewisses Maß an Ursprünglichkeit bewahrt.

Die Stadt Bibbiena verfügt über eine geschichtsträchtige Vergangenheit, von deren Epochen noch heute das historische Stadtbild zeugt. Der Stadtkern wird daher geprägt von mittelalterlichen Bauwerken, zu denen man die Paläste ehemaliger Adelsfamilien sowie auch die Kirchen zählt. Von den Spuren der Spätrenaissance geprägt, überzeugen etwa die Paläste der Familie Dovici, die im 15. Jahrhundert im engeren Dienste Papst Leos den X stand. Besonders sehenswert sind auch die Kirchen San Lorenzo und Sant Ippolito, sowie das Oratorium von Bibbiena. Letzteres kann man vergleichen mit einem Opernsaal, jedoch wird hier nur der Gesang und die Musik zelebriert, nicht jedoch die darstellende Kunst. Hierzu ist wiederum das Dovici Theater im zentralen Punkt der Stadt eine gute Anlaufstelle.

Besonders bekannt ist diese Region wegen ihrer Wallfahrtskirche Santa Maria del Sasso, die etwas außerhalb des Ortes liegt. In dieser Kirche findet der Reisende ein beispielloses Sinnbild des Renaissance Zeitalters, welches sich in den zahlreichen Fresken sowie auch in der Wandgestaltung wiederspiegelt. Auf einem Felsen nahe der Kirche errichtet, der wiederum Namensgebend war für diese, sieht man die Madonna del Sasso. Aufgrund des Zuspruches zahlreicher Marienanbeter wurde die Kirche vom Architekt Bicci di Lorenzo in das vorhandene Arenal integriert. Im Inneren findet der Gläubige das Abbild der Madonna der Dunkelheit, wobei der Name sich vermutlich auf die Substanz des verwendeten Holzes bezieht und auch auf die Tatsache, dass der Fels in die Kirchenplanung mit ein gezogen wurde. Besonders sehenswert ist auch der aufwendig, künstlerisch gestaltete Kreuzweg der Kirche.

Die Stadt Bibbiena wird sehr geprägt von den gläubigen Ritualen, und den damit verbundenen Zeremonien zu Ehren Maria. Auch die Nähe zum Wallfahrtsort La Verna beeinflusst dies zusätzlich. Jährlich strömen Tausende von Gläubigen und Pilgern zu diesen etwas versteckten heiligen Stätten. Diese Glaubenssitte sollte auch der Reisende respektieren, und sich aufgrund der dort vorherrschenden Situation dem Allgemeinbild anpassen. Bibbiena ist dem Tourismus sehr aufgeschlossen, und ist bestimmt kein Quell von Traurigkeit. Jedoch spielt hier, wie in ganz Italien, der Glaube eine sehr wichtige Rolle. Aber aufgrund der Wallfahrtskirchen erlangt man hier als Besucher den Gesamteindruck, dass ihm hier vermehrt Beachtung geschenkt wird und er vorrangig ist.

Die Vereinbarung vom Marienmythus und dem alltäglichen Leben mit seinen vielfältigen Genüssen wird hier jedoch gekonnt inszeniert. Die Menschen sind sehr freundlich und neuen gegenüber aufgeschlossen, sofern man ihr wertvolles kulturelles Erbe achtet.

Text von Claudia Schleicher