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Livorno

Die “Linguaccia Livornese”- die berüchtigte “Böse Zunge” Italiens findet man in der Stadt Livorno, in der gleichnamigen Provinz der Toskana. Der direkt am Tyrrhenischen Meer gelegenen Stadt wird vermutlich aufgrund des ansässigen Verlages, der Herausgeber einer bekannten satirischen Zeitung ist, nachgesagt, dass die dort ansässigen 160650 Einwohner sehr direkt sind, und selten ein Blatt vor den Mund nehmen. Jedoch wird der Reisende in jeglicher Hinsicht von Livorno begeistert und überrascht sein.

An einer bezaubernden Küstenebene gelegen, besticht diese Region mit einem unwiderstehlichen Charme natürlicher Meereskulisse. Hier findet man einen der wichtigsten Häfen Italiens, womit auch schon die prägendste Einnahmequelle der Stadt erklärt wäre. Hier im Handelshafen ist der Umschlagplatz für internationale Container, Güter aus der Region sowie auch für Mineralöle. Im Porto Mediceo hingegen, dessen Anlegestelle in unmittelbarer Nähe der Altstat ist, haben Besucher die Möglichkeit, Livorno zu erkunden oder als Passagier eines der vielen Schiffe, die umliegenden Inseln zu besuchen. Hier legen auch große Kreuzfahrtschiffe an, die sich auf dem direkten Weg nach Korsika oder zum nordafrikanischen Kontinent befinden.

Prägend für die besondere Bedeutung des Hafens ist der seit Jahrhunderten eigene Schiffbau, der ein eigenes Einnahmensegment darstellt. Ergänzend zur wirtschaftlichen Einnahmesituation lässt sich hier auch der Tourismusandrang anführen, der seit Jahren aufgrund der historischen Bedeutung viele Besucher in die Stadt lockt. Die Sehenswürdigkeiten von Livorno sind nahezu unerschöpflich, wenngleich viele im 2. Weltkrieg zerstört wurden, und nicht mehr im Original vorhanden sind. So ist das Original des Doms am Piazza Grande aus dem 16. Jahrhundert, welcher nach dem Weltkrieg anhand der alten Pläne des berühmten italienischen Architekten Duo Buontaöenti sowie Pieroni wieder aufgebaut wurde. So erstrahlt die Kathedrale San Francessco in altem Glanz, und bietet ein beeindruckendes Inneres.

Auf den Grundmauern des 13. Jahrhunderts wurde auch die Chiesa San Giovanni im Jahre 1624 wieder erbaut, und bietet eine solvente Ergänzung zur Dombesichtigung. Sehenswert ist auch die Dominikanerkirche im Stadtteil Venezia, die mit ihren achteckigen Grundmauern aus dem 17. Jahrhundert ein besonderes Mariengemälde an der Decke aufweist. Die filigranen Marmordekorationen aus dem 18. Jahrhundert sind die Merkmale der San Ferdinando Kirche. Das Ensemble der Kirche komplementiert die ehemalige, etwas außerhalb der Altstadt gelegene Klosteranlage aus dem 14. Jahrhundert, und war aufgrund des besonderen Marienabbildes sowie der Sammlung von Gemälden seit jeher ein beliebter Pilgerort. Sie belohnt den Reisenden aufgrund des erforderlichen Anstieges mit einem traumhaften Panoramablick.

Das Wahrzeichen der Stadt- den Quattro Mori- entdeckt der Reisende bei einem Rundgang durch die historische Altstadt, wo sich auch der 1077 errichtete zylinderförmige Wachturm im Inneren der Festungsanlage Vecchia befindet. Hier finden gerade in den Sommermonaten zahlreiche Veranstaltungen statt, die es lohnt zu besuchen. Musische Genüsse kann der Interessiert in dem Mitte des 18. Jahrhunderts errichteten Teatro Goldoni erleben oder bei den zumeist im Juli stattfindenden Effetto Venezia Festlichkeiten.

Die Freunde von Museen finden in Livorno eine beachtliche Auswahlmöglichkeit. So sind im Meseo Fattori zahlreiche Kunstsammlungen zu bewundern, während das Naturkundemuseum sowie das Acquario Cestoni sich mit der landschaftlichen beziehungsweise meeresbiologischen Facette befassen. In Hinblick auf die ehemalige Synagoge aus dem Jahre 1600 wurde das jüdische Museum mit Kulturgegenstände dieser Zeit erbaut.

Aufgrund der Meeresnähe ist es nicht verwunderlich, dass die Speisekarten der Stadt vorrangig von Fischgerichten geprägt sind. Selbstverständlich gibt es auch zahlreiche Alternativen, die gerade für die Region sehr prägnant sind. Hierzu zählen etwa das Schwarze Rissotto sowie das aromatische Kaninchenfleisch. Als Dessert empfiehlt sich dem Reisenden das regionale Gebäck, dass im Original mit einer Tasse Rum-Kaffee serviert wird.

Livorno ist mit seinen zahlreichen gut geführten Übernachtungsmöglichkeiten eine Reise wert, wobei der Tourist sich keinesfalls einen abendlichen Spaziergang an der beleuchteten Hafenstraße entgehen lassen sollte, die sehr eindrucksvoll und romantisch wirkt.

Text von Claudia Schleicher