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Pisa

Die wohl bekannteste Sehenswürdigkeit der 185 km² großen Provinz Pisa mit ihrer gleichnamigen Hauptstadt ist der Schiefe Turm . Jedoch hat die an der Mündung des Flusses Arno in die Ligurische See gelegene Stadt noch ein weitaus umfangreicheres Repertoire an Sehenswürdigkeiten zu bieten.

Die Universitätsstadt wird geprägt von den 88500 Einwohnern, die zur Hälfte aus Studenten und Eliteschülern besteht. Während der Semester herrscht hier ein regelrechtes Getümmel und turbulentes Leben in den zahlreichen Bars und kulinarisch wertvollen Lokalitäten, wo hin gegen die Stadt in der schulfreien Zeit mit den freundlichen und herzlichen Einheimischen nahezu ausgestorben wirkt. So bietet sich diese Zeit für den Reisenden an, der die Ursprünglichkeit der Stadt in Ruhe entdecken und genießen möchte. Pisa ist eine Stadt, deren historischen Kern man entdecken sollte. Bedauerlicherweise verfehlen dies viele Touristen, da für sie der Schiefe Turm im Hauptaugenmerk steht.

Die Grundsteinlegung hierfür erfolgte im Jahr 1173, und war ursprünglich als freistehender Glockenturm für den Dom gedacht. Jedoch gerieten die insgesamt 14,2 Tonnen verbauter weißer Marmor bereits nach Fertigstellung der unteren Stockwerke in eine Schieflage. Rund 100 Jahre später wurde der Bau wieder aufgenommen und man versuchte mittels schräger Bauweise die Schieflage auszugleichen. Daher beruht die schiefe Position des 54m hohen Turms auf den von Schwemmboden gezeichneten Untergrundes, der sich unter dem massiven Gewicht verformt. Zum Wahrzeichen der UNESCO ernannt, war der Turm und das angrenzende Arenal bereits mehrmals wegen Einsturzgefahr gesperrt.

Wie bereits eingangs erwähnt, hat die ehemalige Seefahrerrepublik noch einiges mehr zu bieten. So verspricht der langgezogene historische Stadtkern mit seinem auf dem Piazza del Duomo freistehenden Dom Santa Maria Assunta aus dem Jahre 1118 im weißen Marmor erbaut, eine besondere Besichtigung. Die hier zu sehende Anordnung der Gebäude mit dem angrenzenden Baptisterium ist eine Seltenheit, die in vielen Städten zwar ursprünglich in der gleichen Anordnung erbaut, aber mangels Platz verbaut wurde. Neben der beeindruckenden Fassade, verspricht der Dom im Inneren eine wahre Freude für den Interessierten: So sind die Kassettendecken aus dem 17. Jahrhundert aufwändig in Gold verziert, und werden ergänzt durch beeindruckende Mosaikarbeiten.

Die beeindruckendste Kanzel aus dem 13. Jahrhundert, die sich mit keiner anderen Kanzel dieser Epoche vergleichen lässt, zeigt ein Meisterwerk menschlicher Kunst, dass selbst den kunstfremden Reisenden vor Ehrfurcht erschauern lässt. Von acht Säulen getragen, die mit den Abbildern Christus sowie Herkules, Ecclesia und Erzengel Michael gezeichnet sind, sind auf den Reliefs Szenen aus dem Alten Testament sichtbar. Beeindruckend sind auch die 22 Altäre, auf deren Hauptaltar ein mächtiges bronzenes Kreuz Einzug erhielt, dass vor den Gemälden Soglianis dominiert. Sehenswert ist auch die Dornen Kirche Santa Maria delle Spina, die eine Dorne des Christus Dornenkranzes aufbewahrt.

Die Piazza dei Cavalieri mit ihren prächtigen Renaissance Bauten aus dem Jahre 1560 wurde im Auftrag der Adelsfamilie Medici aus Florenz in ihrem Erscheinungsbild geprägt und von dem bekannten Architekt seiner Zeit, Giorgio Vasari idealistisch umgesetzt. Hier findet man die 1567 erbaute Santo Stefano Kirche, die im Barockstil aufwartet, und von zahlreichen arabischen Schätzen geschmückt wird. Auch findet man hier das Torre delle Sette, das Stadtgefängnis sowie den ehemaligen Hungerturm.

Die Reise nach Pisa lohnt sich besonders in der letzten Juniwoche, da hier das traditionelle Gioco del Ponte gefiert wird. Bei diesem Fest liefern sich in historischen Gewändern gekleidete Männer der einzelnen Stadtteile einen Wettkampf, bei dem es darum geht, einen 7 Tonnen schweren Wagen in das jeweilig andere Stadtviertel zu schieben. Sehenswert sind auch die zu Ehren der Patronen veranstalteten Festlichkeiten, in denen die Stadt nur in Kerzenschein erstrahlt. Aufgrund der guten Erreichbarkeit Pisas mittels eigenen Flughafen lohnt sich auch eine Wochenendreise in die bezaubernden Stadt, mit ihren kleinen verwinkelten Gassen die mit einzigartigen Charme bestechen.

Text von Claudia Schleicher