Die Toskana zählt als die Heimat vieler berühmter Persönlichkeiten. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Siena hier keine Ausnahme macht. Die im Zentrum der Toskana gelegene Stadt in der gleichnamigen Provinz bietet auf ihrer Gesamtfläche von 118 km² 54500 Italienern Heimat, und ist der Geburtsort von Agostino Agazzari, der ein bedeutender italienischer Komponist und Musiktheoretiker war. Die musikalische Bewandtnis der Töchter und Söhne der Stadt lässt sich in heutiger Zeit unter anderen mit Gianna Nannini fortführen. Auch viele Maler, deren Einflüsse noch heute hoher Tribut zollt, entstammen dieser Stadt.
Internationales Interesse anderer Seite erfährt die Stadt bei den traditionellen Pferderennen am Piazza del Campo, die zwei mal jährlich zu Ehren der Heiligen Maria ausgetragen werden. Seit dem Mittelalter treten hierbei die Regionen der Provinz gegeneinander an. Zu diesem Schauspiel, das zu den härtersten Rennen gezählt wird, reisen Touristen ebenso an wie Einheimische aus ganz Italien. Interessant ist hierbei, dass die Namen der Stadtteile auf Tiere verweisen, und sich dies beim Renen wiederspiegelt.
In den historischen Gassen der Altstadt findet der Reisende vor allem die Architektur der italienischen Gotik, die zum UNESCO Weltkulturerbe gezählt wird. Zu den ältesten Bauwerken zählt die 1240 errichtete Universität, die aufgrund ihres solventen Rufes sehr gut besucht ist. Die in stetigen Wettkampf mit der Stadt Florenz stehende Provinz, zeichnet sich ebenfalls neben der eingangs erwähnten künstlerischen Nuance auch in politischer und wirtschaftlicher Weise aus. Aufgrund der Sehenswürdigkeiten der ehemals von Etruskern erbauten Siedlung, verzeichnet Siena einen enormen Zuspruch an Tourismus und der damit verbundenen finanziell gestärkten Position.
Besonders beliebt ist die Besichtigung des aus weißen und schwarzen Marmor erbauten Doms im gotischen Gewand. Anfang des 13. Jahrhunderts erbaut, ist der Bau bis heute in manchen Teilen unvollendet. Dies mag vor allem an der finanziellen Perspektive liegen, aber auch daran, dass nach alten Plänen eine neue Dimension an Format angestrebt war, dass alle Kirchen der Welt übertreffen sollte, und man bis heute an diesen Ideal festhält. Im angrenzenden Museum findet man zahlreiche Kunstwerke, die für den Dom bestimmt waren, aber aufgrund der unvollendeten Fertigstellung nie ihren zugedachten Platz beziehen konnten.
Das Ospedale Santa Maria della Scala, das sich im Blickwinkel des Doms befindet, ist ein im Jahre 1000 erbautes Pilgerhospiz. Ursprünglich erbaut als Domizil für Pilger- wie man sie auch in Deutschland gerade am derzeit zu neuer Bekanntheit erlangten Jakobsweg findet- beherbergt das gigantische Gebäude verschiedene Säle, kleine Kapellen sowie eine Galerie mit zahlreichen Gemälden und Artefakte. Interessant ist die Ausarbeitung der in verschiedenen Epochen gestalteten Räume, die von zahlreiche Fresken und Renaissance Elemente geschmückt werden.
Besonders hervorstechend ist am Piazza del Campo der 102 Meter hohe Turm des Palazzos Pubblico, der 1267 erbaut wurde, und sich in unmittelbarer Nähe zum Palazzo Pubblico, dem heutigen Rathaus, befindet.
Hier ist besonders der Saal der Landkarten sehenswert, aus dem Werken des italienischen Künstlers Martini entstammend, der für seine sienesische Stilrichtung bekannt war. Ebenfalls sieht man hier die Reste einer Weltkarte von Lorenzetti, dessen bekanntestes Werk das Abbild der Jungfrau mit Kind war.
Ebenfalls einen Besuch Wert ist auch die nähere Umgebung Sienas. So findet man dort in bezaubernder Kulisse romanische Kirchenbauwerke, die teilweise in der Rundbauweise errichtetet wurden. Aus dem 13. Jahrhundert hingegen ist die Ruine von San Galgano ein beeindruckender Zeitzeuge. Für den naturverbundenen Reisenden ergeben sich hier auch wunderbare Wandermöglichkeiten.
Text von Claudia Schleicher
